Schule in Taaken 1851 – 1905

Die Lehrer in Taaken
Es sind nicht viele Lehrer, von denen berichtet werden kann. Anders als für das benachbarte Schleeßel fehlen leider die Unterlagen, die über das Gründungsdatum der Taakener Schule verlässliche Auskunft geben könnten.
Es ist durchaus denkbar, dass lange Zeit Taakens Kinder im Winter nach Sottrum zur Schule gingen. Den Luxus einer Sommerschule dürfte man sich kaum geleistet haben. Wenn man die ungefähren Gründungsdaten der Schulen vergleichbarer Dörfer unseres Raumes auf Taaken überträgt, dann wird wohl erst im Laufe des 19. Jahrhunderts eine Schule entstanden sein.

Die Stader Konsistorialakten befassen sich erst seit 1851 mit der damals allerdings schon bestehenden Schule in Taaken, und es ist nicht auszuschließen, dass die Gründung erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgte. Die im Moment verfügbaren Quellen beginnen bei dem Lehrer Gerken, der viele Jahrzehnte hindurch bis 1851 die Taakener Schulstelle verwaltete. Es war bis um 1870 durchaus nicht unüblich, einen Lehrer nach Erreichen einer bestimmten Altersgrenze – z. B. 65 Jahre – in den Ruhestand zu versetzen. Bekanntlich waren die Lehrer nicht Staatsbeamten, sondern Gemeindebedienstete.
Ihr Gehalt war von Dorf zu Dorf verschieden. Es setzte sich aus den Erträgen der zur Schulstelle gehörenden Ländereien, dem Schulgeld, kleineren Leistungen der Eltern, z. B. Eier zu Ostern, Brot zum Michaelis, ein Stück Fleisch zu Weihnachten, und einem Zuschuss des Schulverbandes zusammen.
Zuschüsse durch die Regierung für besonders arm ausgestattete Schulstellen kamen erst später hinzu. Das alles war wenig genug, und es gab im Königreich Hannover noch um 1830 viele Schulstellen, die auf ein Jahresgehalt von 30 Talern oder noch weniger kamen. Die Pensionierung eines alten bei gleichzeitiger Neueinstellung eines jungen Lehrers hätte die nochmalige Aufteilung dieser ohnehin geringen Bezahlung bedeutet. In aller Regel versah ein Lehrer daher sein Amt bis zu seinem Lebensende die letzten schweren Wochen vielleicht ausgenommen. Dies alles galt auch für Gerken.

Erst Ende 1851 bat er um die Einstellung eines Hilfslehrers, nachdem er bis Weihnachten des Jahres ohne Unterbrechung seiner Schule vorgestanden hatte. Dann befiehl ihn eine Wassersucht, der er wenige Wochen später erlag. Sein erst 16-jähriger Sohn übernahm zunächst die Schule, war aber zu diesem Amt offenbar noch nicht befähigt, weshalb der Sottrumer Pastor Krull bei der Kirchenkommission in Rotenburg um die vorläufige Entsendung eines Präparanden bat. Vermutlich handelte es sich hierbei um Johann Peter Klindworth, der bei den Beratungen um den Schulneubau im Frühjahr 1854 mitgewirkt hatte.

Ostern 1854 kam es zur Berufung von Johann Hermann Meyer. Auch er war zunächst nur seminarisch vorgebildet, holte das jedoch später nach. Einige Einzelheiten über seinen Ausbildungsgang lassen sich aus den Taakener Schulakten des Staatsarchivs Stade herausfiltern. Sie werfen zugleich ein bezeichnendes Licht auf die Vorbildung vieler Landlehrer jener Zeit.
Meyer wurde am 5.9.1837 in Groß Sottrum geboren. Im Winter 1852/1853, also mit 15 Jahren, wurde er bereits Schulgehilfe in Krummendeich, wo er sich offenbar das elementare Rüstzeug für seinen späteren Beruf erwarb. Im Sommer 1853 erhielt er die Schulstelle in Stuckenborstel. Von Ostern 1854 bis Ostern 1855 verwaltete er die zweite Lehrerstelle in Mehlum, und seit Ostern 1855 war er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1905 Lehrer in Taaken.
Eine Seminarausbildung holte er vermutlich im Laufe der Jahre während der Sommerferien nach. Ein damals durchaus übliches Verfahren. Weit über 50 Jahre erfüllte Meyer getreulich sein Amt. Anfang 1905 wurde er zur Ordensverleihung vorgeschlagen, eine damals inzwischen üblich gewordene Ehrung. Der Sottrumer Pastor schrieb in seiner Eigenschaft als Ortsschulinspektor einen gutachtlichen Bericht über ihn an den Rotenburger Superintendenten Dickmann, in dem es u. a. hießt: „Der Lehrer Meyer zu Taaken hat sein Amt immer mit Treue verwaltet und seiner Ausbildung gemäß Genügendes geleistet.
Auch führte er einen tadellosen Lebenswandel. Er besitzt das Vertrauen seiner Schulgemeinde in seltener Weise. Über seine preußischpatriotische Haltung kann ich nichts aussagen. Ich habe mit ihm niemals über Dahinschlagendes gesprochen, auch Sonstiges davon gehört, aber nie das Geringste, das irgendein Anti vermuten lassen könnte. Ich hatte im letzten Jahr schon die Absicht, die Feier eines Jubiläums in Anregung zu bringen, unterließ es aber schließlich, weil ich meinte, seine Jahre vor dem Seminar würden nicht mitgezählt.
Unter Verwendung dieses Berichts stellte der Superintendent Dickmann am 15. Februar 1905 bei der Regierung in Stade den Antrag auf Erwirkung eines Ordens für Meyer, und am 23. März desselben Jahres verlieh seine Majestät der Kaiser und König ihm den Adler der Inhaber des königlichen Hauswappens von Hohenzollern mit der Zahl „50“.

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